Lisa liebt Tauben – NICHT!

Im Februar machte mich meine Freundin Lucie auf einen Kurzgeschichten-Wettbewerb der Westfälischen Nachrichten Münster aufmerksam. Einzige Mitmach-Kriterien waren: Thema „Stärke zeigen – Mut beweisen“ beachten, nicht mehr als 400 Wörter zu schreiben und der erste Satz sollte mit „Als“ beginnen. Gesagt, getan und nicht gewonnen. Haha. Aber, meine ganz eigene, mutige Aktion möchte ich dennoch zum Besten geben. Schließlich war ich mutig. Und das ist man ja nicht so oft. Also hier – meine Kurzgeschichte, die sich um das ekeligste Tier der Welt dreht:

„Als Vogelhasser hat man es nicht leicht. Hass ist übertrieben. Eher Ekel. Aber das Wort Vogelekler gibt’s noch nicht. Bis heute. 

Ich jedenfalls ekel mich vor Federvieh jeglicher Art! Aber Tauben rufen in mir den größten Ekel hervor. Das Ekel-Übel liegt in der Kindheit begraben. Oder auch nicht, denn der Taubenkadaver war mehr als sichtbar auf dem Feldweg zur geliebten Pferdekoppel, den ich mit meiner Schwester im Sommerurlaub täglich ging. Geführtes Reiten im Kreis für 2 Mark war der Ansporn! Auf einem echten, großen Pferd. Von Tag zu Tag wurde der Anblick der toten Taube nicht schöner und der Urlaub neigte sich dem Ende. Doch die Taubenphobie war geboren. Bis heute. 

Tauben. Überall lauern sie. Im Garten, auf der Straße, im Park, unter Bahnbrücken – doch besonders in Innenstädten! Eigentlich recht klug von denen: Essen en masse. 

Ich bin echt nicht gut in Mathe, aber im Berechnen der Tauben-Flugbahnen hab ich ein „Sehr gut“ mit Sternchen verdient. Ich kann sie sozusagen vorhersagen – hellseherisches Taubenflugberechnungstalent sei Dank! Ganz spaßig und unbeschwert ist ein Shoppingtrip nicht mit mir. Denn meist bleiben meine Shoppingtrips Trips ohne gefüllte Shoppingtüten, dafür aber mit ständigem Wechsel der Laufrichtung, abruptem Stehenbleiben und übertriebenem Ducken vor Tauben im Tiefflug – gepaart mit lautestem Geschrei. 

Dann, eines schönen sonnigen Samstagmorgens: fröhlich trällernd steuere ich in die enge Gasse, die eine super Abkürzung zu meinem Lieblingsladen ist. Faule Menschen lieben Abkürzungen. Und da sitzt sie. Eine Taube. Ein recht ekeliges und freches Geschöpf, das keine Anstalten macht, mir den Weg frei zu geben. Dunkle Wolken ziehen auf. Ich, gefangen zwischen hohen Mauern. Vor mir: die Taube. Hinter mir: mein Riesenstolz, der mir aufmunternd zuredet: „Du gehst an der Taube vorbei. Wie früher auf dem Weg zur Pferdekoppel.“ Leichter gesagt, als getan. Diese lebt doch noch. Und ich würd auch gern am Leben bleiben. Mir vorzustellen, diese Taubenfedern würden mich berühren, lassen mich drei Schritte rückwärts gehen! Doch, mutig geht die Welt zu Grunde oder besser gesagt: volle Kraft voraus, Turbo an! 

Bestimmt war die Taube gar nicht im Stande mich wahrzunehmen! Mit gefühlten dreitausend Stundenkilometern schoss ich an ihr vorbei, direkt durch die Tür meines Lieblingsgeschäfts! So trickst man also Tauben aus: Keinen Zentimeter bewegt, nicht geflattert oder gepickt – Geschwindigkeit heißt also das Stichwort. 

Mein Taubenschock saß dennoch tief, ich hab nichts gekauft, aber zwei Wunder an einem Tag wären auch echt zu viel verlangt.“

Lisa ♥ Kurzgeschichten

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